Der Baerler Busch ist bedroht! Foren Allgemein Wissen über Bäume, auch für Kinder und Jugendliche wichtiges Wissen Antwort auf: Wissen über Bäume, auch für Kinder und Jugendliche wichtiges Wissen

#737
Thomas Kremers
Gast

Pressekonferenz

Am Mittwoch findet die Pressekonferenz statt und ich halte es für wichtig, dort klare Forderungen zu präsentieren, die aus längerfristigen Konzepten abgeleitet werden. Herr Dr. Meßer hat im Namen des BUND, des NABU und des SDW ein hervorragendes Positionspapier verfasst. Leider finde ich dieses wichtige Papier nicht in den Foren oder im Material. Deshalb stelle ich hier den Text auf der homepage ein, damit er für alle zugänglich ist, und kommentiere ihn anschließend:

Bewirtschaftung des Baerler Busches

Der Baerler Busch war bislang ein strukturreicher Waldbestand aus Eichenmischwald. Er wurde u.a. wegen der Funktion für den Biotop- und Artenschutz sowie der hohen Nutzbarkeit für die Erholung als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen (Landschaftsplan Stadt Duisburg).
Seit einigen Jahren hat sich der Regionalverband Ruhrgebiet (RVR) daran gemacht aus dem Wald einen Forst zu machen. Einige Bereiche wurden so stark durchforstet, dass der Waldcharakter stark in Mitleidenschaft gezogen ist, in den übrigen Bereichen ist dies geplant.
Nach eigenen Angaben bei einer Begehung 2017 verfolgt der RVR ein rein forstwirtschaftliches Ziel. Die ökologische Bedeutung wird dabei als deutlich nachrangig angesehen.
Bürger und Naturschutzverbände erwarten vom größten Kommunalwaldbesitzer im Ruhrgebiet eine überwiegend an den Interessen der Allgemeinheit orientierte Waldwirtschaft.
Die Naturschutzverbände stellen die Sinnhaftigkeit der Wald- und Holznutzung nicht grundsätzlich in Frage. Sie fordern vom RVR als öffentlichen Waldbesitzer einen schonenderen Umgang mit dem Wald sowie den Erhalt des strukturreichen Waldcharakters. Dabei müssen insbesondere die geltenden rechtsverbindlichen Verbote wie das Kahlschlagverbot über 1 ha (Kap. 3.2.1 bis 3.2.9 „Untersagung einer bestimmten Form der Endnutzung“) bzw. das Kahlschlagverbot über 0,5 ha (Kap. 3.2.39 „Untersagung einer bestimmten Form der Endnutzung“) sowie das Verbot der Anpflanzung nicht einheimischer Gehölze (Kap. 1.2. A, Verbot 19).

Folgende Forderungen mit einem Vorrang für Natur- und Artenschutz bei der Waldbewirtschaftung sollten ab sofort für den Baerler Busch eingehalten werden:
1. Bewirtschaftung des Baerler Busches in Anlehnung an die FSC-Kriterien entsprechend des deutschen Standards 3.0 bzw. Zertifizierung des Baerler Busches nach den zuvor genannten FSC-Standards.
2. Naturnahe, kahlschlagfreie Bewirtschaftung, um einen gestuften Aufbau zu erzielen, am besten Einzelstammnutzung und Femelschlag (gemäß Landschaftsplan) im gesamten Baerler Busch. Begünstigung mehrerer Baumgenerationen (Verzahnung der Waldgenerationen) zum Erhalt und zur Förderung eines mehrstufigen Waldaufbaus.
3. Ein Totholz- und Biotopbaumkonzept, dass insbesondere die Entstehung und den Erhalt von Althölzern ermöglicht. Dieses Konzept muss selbstverständlich den Schutz vorhandener Althölzer und Höhlenbäume gemäß Gebot des Landschaftsplans berücksichtigen. Die Mög- lichkeit der Ausweisung von Einzelbäumen oder Baumgruppen als Naturdenkmäler ist zu prüfen.
4. Verbleib von Totholz und Reisig im Wald.
5. Ausweisung von Naturwaldbereichen von 10 % der gesamten Waldfläche, wo keine wirtschaftliche Holznutzung stattfindet (bisherige Ausweisung ist viel zu gering). Hier sollten insbesondere strukturreiche Bereiche mit älteren Stieleichen ausgewählt werden. Hier sollten nicht einheimische Gehölze bekämpft und in den Eichenbeständen die Eichen bis zum natürlichen Zusammenbruch erhalten werden. Außerdem sollte die Folgegeneration mit Eichen durch Managementmaßnahmen gefördert werden.
6. Verringerung der Bestände mit nicht einheimischen Gehölzen aus z. B. Rot-Eichen, Robinien u.a. Arten und Ersatz durch einheimische Baumarten.
7. Priorität hat die Förderung der Naturverjüngung der einheimischen und standortgerechten Laubholzarten. Verwendung von überwiegend einheimischen und standortgerechten Gehölzen bei Anpflanzungen. Verwendung von ausschließlich einheimischen und standortgerechten Gehölzen bei Anpflanzungen. Keine Pflanzung von nicht einheimischen Gehölzen (Verbot 19 gemäß Landschaftsplan).
8. Förderung der natürlichen Waldentwicklung.
9. Wiederaufbau von Waldrändern anstatt Waldgrenzen.
10. Einrichtung von Ruhezonen durch Umlenkung der Erholungsnutzung und Sperrung von Trampelpfaden.
11. Ausbau der Waldwege nur in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Duisburg.
12. Verzicht auf den Einsatz von Bioziden im Rahmen der Waldwirtschaft. (falls nicht bereits praktiziert.)
13. Schaffung von Staudenfluren an Wegrändern und auf Waldlichtungen.
14. Bekämpfung der Späten Traubenkirsche unter Vermeidung von großflächigen Eingriffen. (wie bereits begonnen).
15. Zum Schutz der Waldböden kein flächiges bzw. ungesteuertes Befahren, Minimierung von Rückegassen bei der Holzentnahme.
Vor weiteren forstwirtschaftlichen Maßnahmen sollte eine Bestandsaufnahme insbesondere gefährdeter Brutvogelarten durchgeführt werden, um keine planungsrelevanten Brutbestände zu beeinträchtigen. Hier muss dringend behutsam mit dem Wald umgegangen werden. Dies betrifft unter anderem Waldlaubsänger, Gartenrotschwanz, Hohltaube, Waldkauz, Spechte und Fledermäusen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Johannes Meßer

Kommentar
1. Den Titel „Bewirtschaftung des Baerler Busches“ finde ich nicht ganz passend. Besser wäre eine FOrmulierung wie bspw. „Schutz des Baerler Busches als eines strukturreichen Waldgesbietes“.
2. Fragwürdig finde ich die „Ausweisung von Naturwaldbereichen von lediglich 10 % der gesamten Waldfläche“. Ich schlage vor, dass wir ein dynamisches Konzept vorschlagen, in dem bspw. der Ausgangspunkt von 10 (oder mehr) % Naturwaldbereich, der jährlich bspw. um 5 % erweitert würde. Ziel wäre dann z.B. ein Wildniswald mit einem Anteil von bspw. 75 % Naturwaltbereich.
3. Auch kann ich die Forderung nach einer „Naturverjüngung“ nicht nachvollziehen. An diesem Punkt entspricht das Papier den Vorstellungen von Ruhr-Grün. Für mich wäre es wichtig, gerade den alten Baumbestand zu schützen und gezielt durch einheimische und standortgerechte Gehölze im Sinne des Papieres von Dr. Meßer zu erweitern.
Mein Fazit ist, dass das Papier eine hervorragende Grundlage sowohl für die Entwicklung eines längerristigen Konzeptes als auch für die Formulierung von konkreten Forderungen darstellt und unbedingt in die Pressekonferenz einfließen sollte.